Messelogistik 2030: Höhere Effizienz und mehr Zufriedenheit

Auch in Krisenzeiten bleibt die Messewirtschaft zukunftsfähig. Die solide Basis bildet der Messestandort Deutschland, der sich vor der Pandemie 15 Jahre lang im Aufschwung befand.

Auch der Einsatz von Drohnen unterstützt neue Geschäftsmodelle und innovative Strategien in der Handelslogistik. (Photo: iStock)
Auch der Einsatz von Drohnen unterstützt neue Geschäftsmodelle und innovative Strategien in der Handelslogistik. (Photo: iStock)

Messen sind und bleiben faszinierend. Der AUMA MesseTrend 2020 macht zudem deutlich, dass physische Events und Virtual Reality künftig noch mehr miteinander verschmelzen werden. Für die Zeit der Corona-Pandemie und danach wird mit einer erheblichen Verstärkung dieser Entwicklung gerechnet. Dies erhöht die Nachfrage nach zukunftsfähigen Dienstleistungen. Die Dienstleister der Messelogistik entwickeln derzeit ein Service- und Leistungsangebot, das es in der Geschichte der Messelogistik noch nie gegeben hat. Bis zum Jahr 2030 ist eine rasante Entwicklung dieses Prozesses zu erwarten. Digitalisierung ist dabei keine Option, sondern eine alternativlose notwendige Veränderung: Nach der aktuellen Verkehrsprognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Güterverkehr bis 2030 um 38 Prozent gegenüber 2010 zunehmen. Das können Straßen und Autobahnen alleine nicht bewältigen.

Das wachsende Verkehrsaufkommen und ein anhaltender Ressourcenmangel auf Seiten der Anbieter begünstigen vollständig vernetzte Transportlösungen. Wirklicher Mehrwert entsteht dabei nur durch eine effiziente Datennutzung. Das bedeutet beispielsweise, dass Informationen wie Sendungsdaten in Echtzeit ausgetauscht werden können. Unter diesen Voraussetzungen wird sich bis zum Jahr 2030 daher der Standard einer Transportlogistik 4.0 großflächig etablieren. Transportlogistik 4.0 beinhaltet dabei eine daten- und vernetzungsbasierte, effiziente, dezentral organisierte, flexible und agile Planung und Steuerung des Transports. Damit alle Akteure im Transportprozess davon tatsächlich profitieren können, ist es notwendig, dass die Transportprozesse zukünftig nicht nur digitalisiert, sondern auch tatsächlich vernetzt sind.

Logistiker nehmen die Digitalisierung sehr ernst. Supply-Chain-Themen werden im Dialog mit der Industrie diskutiert. Blockchain, Green Energy, Drohnen und Low-Cost Sensor Solutions im Lager, Big Data Analytics in der Risikobewertung oder Impulse von Start-ups in der Logistik sind dabei nur einige Themen. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz, Plattformökonomie, Drohnen und autonome Fahrzeuge ermöglichen ganz neue Geschäftsmodelle oder innovative Strategien in der Handelslogistik. Das Potenzial dafür ist enorm. Nach Expertenmeinung wird die Logistik die erste Branche sein, in der sich KI-Verfahren massenhaft durchsetzen werden. Die Zukunft der Logistik gehört intelligenten Maschinen, seien es Algorithmen, klassische Roboter oder fahrerlose Transportsysteme.

Digitalisierung ist in der Messelogistik keine Option, sondern eine alternativlose notwendige Veränderung”, betont Güray Saritas. (Photo: Europfast)
Digitalisierung ist in der Messelogistik keine Option, sondern eine alternativlose notwendige Veränderung”, betont Güray Saritas. (Photo: Europfast)

Digitalisierung bedeutet in erster Linie, dass Prozesse vermehrt simultan ablaufen. Aspekte wie Just-in-Time, vollautomatische Transport-Disposition, Transport-Management-Software-Systeme, Slotsysteme oder intelligente Verkehrsführung entstehen durch das Zusammenwirken verschiedener Systeme. So buchen Lieferanten etwa für Lkws einen Slot für die Be- und Entladung an einem Veranstaltungsort. Mit der Slotvergabe wird dem Lkw dort eine Ladebox zugeordnet, die er daraufhin ansteuert. Zeitgleich ist damit auch schon das zur Be- und Entladung notwendige Personal inklusive Stapler gebucht. Unnötige Wartezeiten entfallen, weil sich Lkw-Anlieferungen überschneiden können. Typische Planungsengpässe werden so systematisch minimiert. Das sorgt für eine höhere Effizienz und mehr Zufriedenheit bei Kunden und Anbietern. Erst dieses Ineinandergreifen von Systemen bedeutet eine Vernetzung und ermöglicht eine automatische KI-gestützte Planung.

Europfast strebt eine weltweite Vernetzung seiner Systeme bis zum Jahr 2030 an. Ortsunabhängig sollen Kunden Europfast mit Logistikleistungen beauftragen können. Diese Leistungen sollen in Zukunft noch präziser an die Beschaffungssysteme der Kunden andocken. Die umfangreichen Investitionen in einen globalen Full-Service werden von der Zertifizierung ISO 27001 bis zum Jahr 2025 begleitet. Garantiert werden den Kunden damit Informationssicherheit und Datenschutz. Und: Im Jahr 2030 wird die Bestellung für eine Logistikdienstleistung nicht aufwändiger sein, als online eine Pizza oder ein Taxi zu bestellen. Per Handy werden Zeitraum, Umfang, Transport, Auf- und Abbau eines Messestands geplant und per Dashboard die Fortschritte in Echtzeit überwacht werden. Mit einem Fingertipp werden individuelle Ansprüche und Anforderungen wie Zollabwicklung, klimaneutraler Service, Routenplanung oder Sonderfrachtkonditionen gebucht werden. Diese Nutzerfreundlichkeit spart Kunden Zeit und Geld.

Bei Europfast sind wir dabei, die Routenplanung für unsere Kunden zu digitalisieren. Mit unserem Planungstool können Nutzer zukünftig ihre Strecken selbst planen und verfolgen. 2030 werden alle erfolgreichen Messelogistiker ihren Kunden einen digital gesteuerten Full-Service vom Transport bis zu Abbau und Entsorgung des Messestands anbieten. Aussteller, Standbauer, Caterer oder auch Rigger stimmen sich dabei online mit dem Messelogistiker ab. Aufträge werden nicht länger gesplittet, sondern als agiles Projekt mit einheitlichem Service realisiert. Diesen Ansatz verfolgt auch Europfast und strebt bis 2025 eine Kollaborationsplattform an. In einem ersten Schritt werden wir dafür unsere automatische Disposition zur Buchung für Kunden, Partner und Dienstleister öffnen. Ziel ist es, auf diesem Wege ein Kommunikationsnetzwerk zu schaffen (www.europfast.com).

Autor: Güray Saritas

Güray Saritas ist Geschäftsführer von Europfast Internationale Spedition, Neuhausen bei Stuttgart. Eine ausführliche Version dieses Beitrages ist im März 2021 in dem Buch „Die Zukunft von Messen, Kongressen und Events“ bei der TFI-Verlagsgesellschaft erschienen (www.tfi-publications.com).

Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 1/2021

 
 

Bei Facebook, Twitter oder Google+ weiterempfehlen:

Twitter aktivieren
Google+ aktivieren
 
 
 

TFI - Trade Fairs International - Das Wirtschaftsmagazin für Messen und Märkte.

© 2006 - 2021 by TFI-Verlagsgesellschaft mbH. Alle Rechte vorbehalten. Für die Inhalte externer Links und fremder Inhalte übernimmt die TFI-Verlagsgesellschaft mbH keine Verantwortung.

 
 

TFI-Know-how

TEST
 
 
  • Jetzt bestellen: Die Zukunft von Messen, Kongressen und Events

    Jetzt bestellen: Die Zukunft von Messen, Kongressen und Events

    Die fortschreitende Digitalisierung wird das Veranstaltungsgeschäft dramatisch verändern. Aktuell wirkt die Pandemie wie ein Brandbeschleuniger, der die Dynamik noch verstärkt. Wie sieht die Zukunft von Messen, Kongressen und Events aus? Antworten geben namhafte Experten.

  • Wie können Aussteller auf Messen herausstechen?

    Wie können Aussteller auf Messen herausstechen?

    Über einen erfolgreichen Auftritt entscheiden nicht nur neue Produkte und ein durchdachtes Stand-Design. Wichtig sind auch viele weitere Faktoren, die Messeplaner nicht immer im Blick haben.

  • Wie lassen sich Branchenentscheider online erreichen?

    Wie lassen sich Branchenentscheider online erreichen?

    Messen und Messegesellschaften müssen sich kontinuierlich weiterentwickeln, agiler und flexibler werden und ganzjährige Dienstleistungen anbieten. Neue, digitale Angebote sind dabei von großer Bedeutung. Mit der Werbetechnologie „TrustedTargeting“ offeriert die Messe München ihren Kunden einen Zugang zu führenden Business-to-Business-Entscheidern im Internet.