Deutsche Auslandsmessen: Gemeinsam unter Made in Germany

Die „Deutschlandauftritte“ des Bundeswirtschaftsministeriums helfen nicht nur kleinen und mittelgroßen Ausstellern. Sie fördern auch das Prestige und die Ausstrahlung von Messen.

Deutscher Gemeinschaftsstand auf der SMM India in Mumbai. (Photo: Hamburg Messe und Congress)
Deutscher Gemeinschaftsstand auf der SMM India in Mumbai. (Photo: Hamburg Messe und Congress)

Im Jahr 2013 organisiert die Messe Frankfurt gleich 20 deutsche Gemeinschaftsstände auf Messen im Ausland – unter anderem auf der Automechanika Dubai vom 11. bis 13. Juni. Dort wird der „German Pavilion“ mit einer Fläche von 2.200 Quadratmetern und mehr als 70 Ausstellern wieder stark besetzt sein. „Seit Jahren ist Dubai das wichtigste Handelszentrum der Region für Kfz-Teile und Zubehör“, beobachtet Detlef Braun. „Und gleichzeitig auch ein beliebter Treffpunkt für Fachbesucher aus anderen Märkten“, verweist der Geschäftsführer der Messe Frankfurt auf den Nahen Osten, Afrika, Aserbaidschan, Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan. Bei der Teilnahme am deutschen Gemeinschaftsstand spielt das Thema Förderung eine wichtige Rolle. „Wobei das Finanzielle nicht das alleinige entscheidende Kriterium ist“, wägt Braun ab. „Für den exportwilligen Mittelstand zählt besonders die praktische Unterstützung.“   

Gerade für erstmalig an einer Auslandsmesse teilnehmende Unternehmen spielten Beratung und Dienstleistungen eine entscheidende Rolle. „Dazu gehört die Unterstützung bei Organisation, Logistik und Reisebuchung, administrativen Fragen, dem Abbau von Sprachbarrieren oder die Betreuung vor Ort“, sagt Detlef Braun. Für größere Unternehmen sind die Gemeinschaftsstände ein idealer Einstieg in einen Wachstumsmarkt: „Haben sie Fuß gefasst, sind sie oft über Partner vor Ort auf der nächsten Messe mit einem eigenen Stand vertreten.“ Der Messegeschäftsführer bezeichnet die German Pavilions aufgrund der einheitlichen Präsentation und Bündelung des Angebots als wertvolle Bereicherung der Auslandsveranstaltung. „Zudem wecken sie das Ausstellungsinteresse einheimischer kleiner und mittelständischer Firmen“, betont Braun (www.messefrankfurt.com).  

„Für den exportwilligen Mittelstand zählt besonders die praktische Unterstützung”, betont Detlef Braun. (Photo: Messe Frankfurt)
„Für den exportwilligen Mittelstand zählt besonders die praktische Unterstützung”, betont Detlef Braun. (Photo: Messe Frankfurt)

Auch für andere ist Dubai ein gutes Pflaster. „Den größten German Pavilion organisieren wir seit einigen Jahren auf der ArabLab, einer internationalen Fachmesse für Labor- und Messtechnik“, berichtet Dirk Lauterbach von der NürnbergMesse. „Dort betreuen wir über 110 deutsche Unternehmen auf mehr als 1.500 Quadratmetern Standfläche.“ Dieser Anklang liegt auch daran, dass Dubai die Handelsdrehscheibe der Region ist, bestätigt Lauterbach, der für internationale Gemeinschaftsauftritte zuständig ist. Durch handelsfreundliche Zoll-, Import- und Exportregeln werde Dubais „Drehschreiben-Funktion“ genauso gestärkt wie durch relativ unbürokratische Einreisevorschriften. Insgesamt stehen für das laufende Jahr 41 Durchführungssaufträge im Auftragsbuch der NürnbergMesse – im Rahmen von Eigen- und Fremdveranstaltungen. Das dahinter stehende Prinzip ist einfach: „Die deutschen Industrieverbände analysieren die Zielländer und deren Messemarkt und treffen dann eine gezielte Entscheidung für ein bestimmtes Ereignis“, erklärt Dirk Lauterbach. „Damit ist für ausstellungswillige Unternehmen bereits eine wichtige Vorauswahl erfolgt.“   

 
 
 
 

Das Komplettpaket bei den deutschen Gemeinschaftsständen „garantiert Ausstellern einen qualitativ hochwertigen Messeauftritt“, heißt es bei den Nürnbergern. „Auf der Messe weckt außerdem die Dachmarke Made in Germany das Interesse zahlreicher Besucher.“ Kleine und mittlere Unternehmen profitierten im Verbund mit größeren Marktführern aus Deutschland von deren Strahlkraft. Einen Vorteil haben auch die Veranstalter: „Für eine Messe ist die Aufnahme in das Auslandsmesseprogramm ein wichtiges Qualitätsmerkmal“, hebt Dirk Lauterbach den Prestigefaktor hervor. „Die zahlreichen Vorteile der Gemeinschaftsstände helfen natürlich zusätzlich, eine Auslandsmesse zu etablieren.“ Gerade bei jüngeren Veranstaltungen erweise sich ein deutscher Pavillon durchaus als Zugpferd für Aussteller aus anderen Ländern – sei es, was offizielle Länderbeteiligungen angeht oder eine höhere Präsenz internationaler Unternehmen (www.nuernbergmesse.de). 

Die NürnbergMesse organisiert den deutschen Auftritt bei der Analitica Latin America in Sao Paulo. (Photo: NürnbergMesse)
Die NürnbergMesse organisiert den deutschen Auftritt bei der Analitica Latin America in Sao Paulo. (Photo: NürnbergMesse)

Die Deutsche Messe, Hannover, verzeichnet einen besonders starken Gemeinschaftsauftritt bei der IT-Fachmesse CeBIT Bilisim Eurasia in Istanbul. Gleiches gilt bei den Shanghaier Messen für Antriebs- und Fluidtechnik, PTC Asia, und für Bodenbeläge, Domotex Asia/ChinaFloor. Die Tochtergesellschaft Hannover Fairs International ist ebenfalls Durchführungsgesellschaft bei Eigenveranstaltungen der Deutschen Messe genauso wie bei externen Messen. „Wir übernehmen die gesamte Kommunikation mit dem Messeveranstalter, verhandeln über Konditionen, Platzierung und Standkonzept“, erklärt Andreas Luttmann, Prokurist bei Hannover Fairs International. „Unterstützt werden die Aussteller nicht nur beim Standbau, sondern ebenso beim Transport von Ausstellungsgütern.“ Diese Güter werden häufig als Sammeltransport durch international erfahrene Spediteure zum Messestandort gebracht. Zudem steht den Ausstellern ein Ansprechpartner der Hannoveraner zur Verfügung – der sich während der Messen vor Ort um deren Belange kümmert.   

„Nicht zu unterschätzen ist auch der enge Austausch unter den Mitausstellern”, sagt Andreas Luttmann. (Photo: Deutsche Messe)
„Nicht zu unterschätzen ist auch der enge Austausch unter den Mitausstellern”, sagt Andreas Luttmann. (Photo: Deutsche Messe)

Besonderes kleine und mittelständische Unternehmen schätzen die deutschen Auftritte: „Sie haben häufig nicht die Ressourcen, um einen eigenen Stand im Ausland zu organisieren“, sagt Andreas Luttmann. Auch die Maßnahmen der Besucherwerbung nehmen die Hannoveraner in die Hand. Weitere begleitende Aktivitäten wie der Botschaftsempfang als Abendveranstaltung helfen den teilnehmenden Unternehmen und damit der Gesamtveranstaltung. „Darüber hinaus ist der Gemeinschaftsstand der zentrale Anlaufpunkt für politische Delegationen und Journalisten“, weiß Luttmann. Nicht zu unterschätzen sei auch der enge Austausch unter den Mitausstellern, aus dem sich Geschäftspartnerschaften entwickeln könnten (www.messe.de).  

Die Hamburg Messe und Congress (HMC) hat gerade Anfang April die SMM India in Mumbai zum dritten Mal veranstaltet. Unterstützt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie nahmen zehn Unternehmen im Gemeinschaftsstand teil. „ Die Ausstellungsfläche des Deutschen Pavillons auf der SMM India war im Vergleich zur Messe im Jahr 2011 leicht gewachsen“,   berichtet HMC-Geschäftsführer Bernd Aufderheide. „Der Stand mit Made in Germany ist immer einer der attraktivsten Bereiche und zieht zahlreiche Besucher an.“ Vier Unternehmen waren dieses Jahr erneut im deutschen Haus vertreten und können somit als „Wiederholungstäter“ bezeichnet werden. Generell verfolgen die Hamburger das Konzept der gemeinschaftlichen Präsentation von Nationen. „Wir freuen uns, dass immer mehr Firmen die Möglichkeit nutzen, sich auf der SMM India in Länder-Pavillons zu organisieren“, erklärt Aufderheide. An der maritimen Messe beteiligten sich 2013 neben Deutschland vier weitere Länder mit Gemeinschaftsauftritten: Dänemark, China, Finnland und Argentinien (www.hamburg-messe.de). 

 
 

Autor: Peter Borstel

Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 2/2013

 
 

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