Asien: MICE-Szenarien werden sich verändern

Kintex ist Koreas größtes Messe- und Kongresszentrum und über Kinexin als Betreiberin des neuen IICC in Delhi auch in Indien aktiv. Im Interview mit TFI gibt Kinexin-CEO Phil Chung aktuelle Einblicke.

„Wir kooperieren derzeit mit zahlreichen weltweit tätigen Veranstaltern und indischen MICE-Organisatoren”, sagt Phil Chung. (Photo: Kinexin)
„Wir kooperieren derzeit mit zahlreichen weltweit tätigen Veranstaltern und indischen MICE-Organisatoren”, sagt Phil Chung. (Photo: Kinexin)

Herr Chung, hat Covid-19 die Geschäftsaktivitäten im Kintex beeinträchtigt und wie ist die aktuelle Situation?
Phil Chung:
Koreas Covid-19-Krise ist über den gesamten Zeitraum durch unsere Regierung unter Kontrolle geblieben. Die allgemeine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der koreanischen Volkswirtschaft kann in vielerlei Hinsicht als großartig bezeichnet werden – außer für die MICE-Branche, das Gastgewerbe und den Tourismussektor. Offiziell wird in Korea ein robustes Wachstum von 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwartet. In den meisten koreanischen Veranstaltungsstätten finden große Messen und Ausstellungen statt. Das wird durch Hygienemaßnahmen aller Art möglich. Mit unseren vorbildlichen präventiven Aktivitäten während der Covid-19-Zeit haben wir 2020 den ICCA-Best-Marketing-Award gewonnen.

Wie läuft es aktuell im Kintex und was sind die Erwartungen für 2022?
Unser Business-Department unter Leitung des geschäftsführenden Kintex-Vizepräsidenten Jong Geun Park rechnet bis Ende dieses Jahres mit rund 100 durchgeführten Messen. Im nächsten Jahr sollen es noch mehr werden. Das bedeutet, dass sich das Geschäftsleben in Koreas größter Veranstaltungsstätte wieder normalisiert hat – wesentlich schneller als erwartet. Nichtsdestotrotz ist der Meeting- und Konferenzsektor härter von der Pandemie und den internationalen Reisebeschränkungen betroffen. Hier müssen wir noch ein paar weitere Monate abwarten, wie sich die Ergebnisse entwickeln. Anders als der Messebereich haben Tagungen und Events zu kämpfen. Nach vorsichtigen Erwartungen plant Kintex, dass sich das gesamte Geschäftsergebnis erst in zwei Jahren wieder auf dem 2019er-Niveau bewegt.

Was sind die Gründe für diese Erwartungen?
Wir diskutieren unsere Pläne laufend mit unseren Kunden und wir entwickeln diese Pläne aufgrund der gewonnenen Befragungserkenntnisse weiter. Veranstalter sind in der Lage, ihre Messen unter Covid-Bedingungen zu organisieren und an neue Normen anzupassen. Was uns betrifft, gibt es eine „Vorbereitungsgruppe für Kintex III“, die dritte Entwicklungsphase. Darin sind Experten von Kintex und unseren staatlichen Anteilseigner versammelt. Die Erweiterung sieht bis 2025 zusätzliche 70.000 Quadratmeter Hallenfläche vor, weitere Fläche im Freigelände und mehr Konferenzflächen. Nach Fertigstellung möchten die Verantwortlichen von der Ende 2023 in Betrieb gehenden GTX-Kintex-Station profitieren. Mit dem Anschluss an das Hochgeschwindigkeits-Verkehrsnetz dauert die Fahrt ins Zentrum von Seoul nur noch 18 Minuten – was die MICE-Szenarien in der Metropolregion stark verändern wird.

Internationales Outdoor-, Camping- und Freizeitsport-Festival Gocaf 2021 im Kintex. (Photo: Kintex)
Internationales Outdoor-, Camping- und Freizeitsport-Festival Gocaf 2021 im Kintex. (Photo: Kintex)

International ist Kintex in Indien aktiv und betreibt mit Kinexin das neue Veranstaltungszentrum IICC in Delhi. Wir stellt sich die aktuelle Situation auf der Baustelle dar?
Es gibt sicherlich einen Verzug aufgrund der seit Monaten andauernden indischen Covid-Krise. Jedoch haben wir jetzt über 4.000 Arbeiter mobilisiert, die auf der Baustelle in Dwarka unweit des internationalen Flughafens aktiv sind. Derzeit ist der Bau der 60.000 Quadratmeter umfassenden Ausstellungshallen und des ebenfalls 60.000 Quadratmeter großen Kongresszentrums zu rund 70 Prozent abgeschlossen.

Wann wird diese erste Ausbaustufe komplett abgeschlossen sein?
Wir erwarten, dass es innerhalb des nächsten Jahres soweit ist, einschließlich eines ausreichenden Zeitfensters für Testaktivitäten.

IICC-Baustelle in Delhi: „Zu rund 70 Prozent abgeschlossen.” (Photo: Kinexin)
IICC-Baustelle in Delhi: „Zu rund 70 Prozent abgeschlossen.” (Photo: Kinexin)

Ist es im IICC bereits möglich, Termine für Veranstaltungen zu reservieren oder zu buchen?
Wir kooperieren derzeit mit zahlreichen weltweit tätigen Veranstaltern und indischen MICE-Organisatoren – um im Eröffnungsjahr und darüber hinaus viele Fachmessen, Ausstellungen und Großkongresse durchführen zu können. Wir heißen auch alle europäischen Veranstalter willkommen, indem wir ihnen ein großes Eingangstor nach Indien öffnen. Dabei können wir als langfristiger Partner zu deren Messe-Inkubator in vielen Industriebranchen werden. Die Veranstalter können große internationale B2B-Veranstaltungen entwickeln und das in der Hauptstadt Indiens, einem Land mit 1,3 Milliarden englischsprechenden Menschen.

Spüren Sie, dass mit der IICC-Eröffnung ein Wandel in der indischen Messewirtschaft vorgehen wird?
Ganz bestimmt, denn Indien leidet unter unzureichenden Veranstaltungsflächen für zahlreiche internationale Kongresse und Messen, die in den Startlöchern stehen. Das IICC und andere neu entstehende Veranstaltungsstätten werden das generelle Level der Optionen für die MICE-Branche erhöhen. Sogar Bollywood- und Hollywood-Filme können bei uns gedreht werden. Und auf längere Sicht, in zehn Jahren, wird aufgrund des zunehmenden indischen Geschäftstourismus noch mehr Fläche benötigt (www.iiccnewdelhi.com).

Autor: Peter Borstel

Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 3/2021

 
 

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