Was bringen kinetische Exponate auf Messen und Kongressen?

Kinetische, sich bewegende Exponate sind Eyecatcher auf Messen, Kongressen, und Events, in Museen oder am Verkaufspunkt. Sie helfen mit, die sich verändernde Welt in einfacher, anschaulicher Form zu erklären. Bewegte Objekte erreichen unser Gehirn schneller als unbewegte. Das ist von entscheidender Bedeutung, weil es darauf ankommt, die Aufmerksamkeit des Publikums in Sekundenfrist zu erreichen. Computergenerierte Zusatzinformationen bieten dabei neue Möglichkeiten der Information und des Erlebens.

Photo: Axel Haschkamp
Photo: Axel Haschkamp

Experte:
Axel Haschkamp
Vorstand MKT AG
Olching bei München

Gefiltertes Bewusstsein

Ein gängiges Klischees im Marketing lautete lange Zeit, dass der Mensch rational entscheidet. Seit den neuesten Forschungen aus der Neurologie wissen wir, dass jedoch das Gegenteil der Fall ist. Denn unsere Sinne senden pro Sekunde rund elf Millionen Informationseinheiten (Bits) an unser Gehirn. Unsere Emotionen und Wertesysteme filtern die meisten davon automatisch aus unserem Bewusstsein heraus. In unserer bewussten Wahrnehmung verbleiben vielleicht 40 Bits, an die sich das Gehirn erinnern kann. Der Weg zu diesen 40 Bits ist es, Kunden über Emotionen anzusprechen. Kinetische Exponate erhöhen dabei die Dauer der Auseinandersetzung und deren Intensität. Sie verlängern die Erinnerungsleistung des Besuchers an ein Thema.

Museale Vorbilder

Wie es funktionieren kann, zeigen viele Museen. Um das Interesse der Gäste aufrechtzuerhalten und zu verlängern, haben sie sich in den letzten zwanzig Jahren neu erfunden. Anstelle der früheren unbewegten Exponate trat eine interaktive Landschaft, in der die Gäste ein Thema aktiv erkunden. Neue interaktive Technologien sind Dreh- und Angelpunkt des Lernerlebnisses – ganz nach dem Motto „Ich verstehe, was ich gestalte“. High-Tech-Installationen machen komplexe Zusammenhänge spielerisch erfahrbar.

Kundenbindende Attraktion

Der Flughafen Changi in Singapur verwirklichte im Jahr 2012 mit der Installation „Kinetic Rain“ die weltweit größte kinetische Kunstinstallation. Sie wird heute täglich von Tausenden von Reisenden in der Abflughalle von Terminal 1 bewundert. Durch die Installation werden sie animiert, zu verweilen und innezuhalten. Auch andere verfolgen die gleiche Aufgabenstellung – nämlich die Aufenthaltsdauer von Kunden zu verlängern und ihnen eine Markenerfahrung über das Kernprodukt hinaus zu bieten. Darunter befinden sich die größten Casinos der Welt, die sich vielfach in Fernost befinden: In Asien ist ein Wettlauf nach entsprechenden Kundenattraktionen im Gang. Kinetische Installationen sind Attraktionen und Kundenbindungsmaßnahmen in einem.

Vorbild Museum: Anstelle der früheren unbewegten Exponate trat eine interaktive Landschaft, in der die Gäste ein Thema aktiv erkunden. (Photo: MKT)
Vorbild Museum: Anstelle der früheren unbewegten Exponate trat eine interaktive Landschaft, in der die Gäste ein Thema aktiv erkunden. (Photo: MKT)

Erweiterte Präsentation

Zu den beliebten Medien gehören Datenbrillen. Sie ermöglichen den Besuchern den Eintritt in ein physisch nicht vorhandenes, nur medial vermitteltes Universum. Damit erlauben sie eine Darstellung von Produktvorteilen, die mit konventionellen Mitteln nicht machbar wäre. Beispiel Messe: Ein kleiner Stand lässt sich virtuell um ein Vielfaches erweitern, ohne dass ein Aussteller zusätzliche Standmiete zahlt. Auf diese Weise kann der Anbieter sein gesamtes Produktsortiment präsentieren. Oder nehmen wir einen Ärztekongress, wo die Teilnehmer virtuell einen menschlichen Körper durchlaufen und von innen erforschen. Generell gilt: Ein emotionales Erlebnis, an dem ein Mensch aktiv mitwirkt und das viele Sinne anspricht, prägt sich beim Zielpublikum stärker ein.

Automobile Weitsicht

Grundsätzlich sind die Optionen vielfältig, wie ein Beispiel aus dem Automobilbereich zeigt. Für Audi hat MKT medial erweiterte Fernrohre gebaut, mit denen Betrachter Informationen zu einem Standort oder Objekt abrufen können. Eine im Gerät integrierte Kamera filmt die reale Umgebung und zeigt sie in Echtzeit auf dem Bildschirm im Kopfteil des Teleskops. So entsteht beim Betrachter der Eindruck, er schaue durch das Gerät auf die Umgebung. In Wirklichkeit blickt er auf ein Kamerabild im Display. Über am Griff befindliche Knöpfe kann das Bild um kurze Texte, Audio, zusätzliche Bilder oder Videoclips erweitert werden. Das lässt die Dynamik eines Ortes illustrieren oder erweckt Objekte zum Leben.

Zweckbezogene Mittel

Bei aller Begeisterung ist Technologie nie Selbstzweck, sondern stets Mittel zum Zweck. Der erste Schritt ist deshalb stets die Beantwortung von Fragen: Welche Botschaft soll mit welcher Zielsetzung vermittelt werden? Und: Wie sieht die Zielgruppe aus, wie affin ist sie für neue Technologien? Im Messe- und Kongressbereich lässt sich das oft einfach beantworten, vielfach handelt es sich um homogene Berufsbilder und Branchen(segmente).

Dieser Beitrag ist erschienen in TFI Heft 3-4/2015

 
 

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