Wie lässt sich Forschung beim Messeauftritt (be)greifbar machen?

Manche Themen oder Projekte sind ziemlich kompliziert und je nach Wissenschaftsgebiet sehr abstrakt. Das macht es schwer, sie auf Messen verständlich zu veranschaulichen. Während etwa Anwendungen aus dem Maschinenbau mit physischen Geräten und Apparaten vorgestellt werden können, wird die Informationstechnologie zur Herausforderung. Eine mögliche Lösung kann das sogenannte „Storytelling“ bieten.

Photo: Welf Zöller
Photo: Welf Zöller

Experte: Welf Zöller
Fraunhofer-Gesellschaft
Messen und Ausstellungen
München

Fallbeispiel Stadtmodell

Obwohl IT-Anwendungen haptisch kaum erfassbar sind, hat Fraunhofer auf der CeBIT seinen stärksten Auftritt. Bei einer der letzten Messeausgaben vor zwei Jahren wurde das Projekt „Morgenstadt“ inszeniert – als Stadtmodell mit Straßen, Schildern und Bäumen. Der rund 1.000 Quadratmeter große Gemeinschaftsstand war in diverse Lebenswelten unterteilt, in denen einzelne Fraunhofer-Institute ihre Angebote zeigten. Dargestellt wurden ganz unterschiedliche Gebiete und Arbeitsfelder innerhalb einer Stadt: Im Bereich „Flughafen“ waren Exponate zu den Themen „IT und Sicherheit“ und „IT und Logistik“ zu sehen. Um letztgenannte Themenstellung dreidimensional erfassbar zu machen, kam unter anderem ein Gepäckwagen zum Einsatz. Eine andere Lebenswelt bot der Bereich „Museum“, in dem es um die Digitalisierung von Dokumenten ging. Ein weiteres Beispiel war der Bereich „Rathaus“, wo sich die Exponate um die elektronische Verwaltung und bürgernahe Dienste drehten.

Fallbeispiel Tankstelle

Mit einem großen Stand ist Fraunhofer auch alljährlich bei der Hannover Messe vertreten. Im Rahmen der Industrieschau hat sich die Forschungsgesellschaft in jüngerer Vergangenheit der Elektromobilität gewidmet. Als dramaturgisches „Vehikel“ wurde eine Tankstelle aufgebaut, wo dann entsprechende Exponate präsentiert wurden. Dadurch war jedem Standgast sofort klar, dass es sich um Energie für das Auto dreht.

CeBIT: Ein Gepäckwagen machte das Thema „IT und Logistik am Flughafen” dreidimensional erfassbar. (Photo: Fraunhofer)
CeBIT: Ein Gepäckwagen machte das Thema „IT und Logistik am Flughafen” dreidimensional erfassbar. (Photo: Fraunhofer)

Fallbeispiel Betonwände

Auch in anderen Branchen ist Fraunhofer mit umfangreichen Forschungsaktivitäten engagiert. Ein ganz aktueller Auftritt fand erst vor wenigen Wochen, Ende Januar, statt. Dabei standen Fragestellungen aus der Bauwirtschaft im Mittelpunkt der Messebeteiligung. Auf der „Bau 2015“ in München präsentierte Fraunhofer in der Messe-Sonderschau „ForschungsWerkStadt“ die Themen Baustoffe, Bausysteme und Sicherheit. Zum Zwecke der Veranschaulichung haben Forscher ihre Produktideen in imitierte Betonwände integriert. Bei den Produktideen handelte es sich beispielsweise um Dämmstoffe aus Algen oder um Ausrüstungen der Fassade. Diese Form der Darstellung hat die Lösungen für die Messebesucher im wahrsten Sinne des Wortes fassbar gemacht.

Mitarbeiter einbeziehen

Regelmäßig treffen sich die intern und extern Beteiligten wie Agenturen, Messebauer und Mitarbeiter in Workshops zum Austausch. Da geht es um Frage, wie sich Forschungsthemen für die breite Öffentlichkeit darstellen lassen. Durch diese Diskussion werden die ohnehin sehr „tüftel-affinen“ Fraunhofer-Mitarbeiter zusätzlich motiviert, „ihr“ Thema noch fassbarer und messefähiger zu machen. Das gibt ihnen außerdem mehr Sicherheit, wenn sie später am Stand mit dem Fachpublikum agieren. Derzeit wird in Workshops an einem interaktiven Spiel für die Fraunhofer Academy gearbeitet.

Auf der Hannover Messe hat sich Fraunhofer in jüngerer Vergangenheit der Elektromobilität gewidmet. (Photo: Fraunhofer)
Auf der Hannover Messe hat sich Fraunhofer in jüngerer Vergangenheit der Elektromobilität gewidmet. (Photo: Fraunhofer)

Messeführerschein erwerben

Damit das Standteam auf die Veranstaltungssituation optimal vorzubereitet wird, hat Fraunhofer den „Messeführerschein“ eingeführt. Dieses interne Schulungsprogramm ist stark vertriebsorientiert, andererseits wird auch „am Exponat geübt“. Der Vorteil: Jeder Mitarbeiter erkennt seine Defizite, an denen er im Messevorfeld noch arbeiten muss. Das kann beispielsweise das Anwenden von Fremdsprachen sein oder etwa die Notwendigkeit, das Exponat noch ein bisschen zu justieren. Ganz wichtig ist auch die Sensibilisierung der Fraunhofer-Institute für konkrete Messeziele – nur wer wirkliche Ziele hat, sollte tatsächlich eine Messebeteiligung ins Auge fassen.

Resonanz messen

Eine indirekte Erfolgskontrolle der Messeauftritte erfolgt durch die Auswertung der Medienresonanz. Auch die Wahrnehmung durch Delegationen spielt eine Rolle. Darüber hinaus erfolgt eine Bewertung der auf der Messe geknüpften Kontakte.

 
 

Zusammen mit seinen Kolleginnen Franziska Kowalewski und Susanne Pichotta ist Welf Zöller jährlich für rund 30 Gemeinschaftsauftritte der Fraunhofer-Gesellschaft verantwortlich. Dabei präsentieren sich die einzelnen Forschungsbereiche/-institute auf diversen Messen und es werden insgesamt rund 5.000 Quadratmeter belegt.

Dieser Beitrag ist erschienen in TFI Heft 1/2015

 
 

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