Messebau International: Der kompetente Kollege vor Ort

Sprache, Kultur und Gesetze gehören zu den Herausforderungen internationaler Messeprojekte. Deutsche Messebauer meisten sie mit oft lokalen Partnern.

Bei Meusburger-Auftritten in Europa hält Bluepool die modularen Standelemente im Lager in Reutlingen bereit. (Photo: Bluepool)
Bei Meusburger-Auftritten in Europa hält Bluepool die modularen Standelemente im Lager in Reutlingen bereit. (Photo: Bluepool)

Die neue Welt ist in puncto Messen eine andere Welt: Nicht nur, dass es Unterschiede in den Qualitätsstandards und Vorschriften gibt. Vor allem kosten konventionelle Bauteile, Möbel oder mehrgeschossige Stände zum Beispiel in den USA oft wesentlich mehr als in Europa. „Bei ausreichendem Zeitfenster kann es deshalb günstiger sein, einen kompletten Messestand von Europa in die USA zu verschiffen“, weiß Rainer Müller, Geschäftsführer des Messedienstleisters Bluepool aus Leinfelden-Echterdingen. Um Kosten- und Planungssicherheit zu haben, stimmt das Chemieunternehmen LyondellBasell seine globalen Projekte stets direkt mit Bluepool ab. Der Aussteller profitiert unter anderem davon, dass Bluepool-Partner vielerorts die Gestaltung übernehmen und die Produktion beaufsichtigen. „Als Mitglied des Messe- und Event-Weltverbands IFES erweitern wir unser stehendes Netzwerk an kompetenten Partnern in vielen Ländern“, wie Rainer Müller betont. In Ostasien werden die Kunden sogar von einer eigenen Tochterfirma betreut, Bluepool Shanghai.   

Mancherorts jedoch erscheint die Eigenarbeit der Messefachleute aus Deutschland unverzichtbar. Die Stände für LyondellBasell in Delhi wurden unter Leitung von Bluepool in Indien konventionell nach einem international gültigen Designstandard produziert. Örtliche Partner übernahmen den Aufbau an den Messeorten. Das Briefing erfolgte dabei allerdings durch das Bluepool-Team in Leinfelden-Echterdingen, das auch vor Ort den Aufbau überwachte. Bei Auftritten innerhalb Europas für Kunden wie etwa das Form- und Maschinenbau-Unternehmen Meusburger hält Bluepool die modularen Standelemente im Kundenlager in Reutlingen bereit. Sie werden per Lkw zum Messeort transportiert und dort vom Bluepool-Team aufgebaut. Für das Antriebs- und Steuerungstechnik-Unternehmen Bosch Rexroth übernahm Bluepool sogar die technische Entwicklung eines eigenen Standbau-Systems nach exakten Design-Vorgaben. In Ländern wie Deutschland, Polen, USA, Südkorea oder Chinas besteht jeweils ein Materialpool, auf den die Partner vor Ort zurückgreifen. Die gesamte Planung und Realisation wird jedoch in nahezu allen Ländern weltweit stets von Bluepool übernommen (www.bluepool.de).

Deutscher Auftritt in Korea: „Ein Expo-Pavillon ist wie ein eigener Mikrokosmos”, sagt Claus Holtmann. (Photo: TFI)
Deutscher Auftritt in Korea: „Ein Expo-Pavillon ist wie ein eigener Mikrokosmos”, sagt Claus Holtmann. (Photo: TFI)

Atelier Türke ist ein Messebau-Unternehmen aus Balingen in der südwestdeutschen Region Schwaben. Dass dieses Unternehmen in der Türkei einen Wachstumsmarkt für sich erschloss, liegt keineswegs am Namen: Die Kontakte an den Bosporus initiierte die Ehefrau des Geschäftsführers Frank Türke. Sie hatte lange dort gelebt und ist mit Sprache und Kultur bestens vertraut. Synergien ergaben sich, da die Werbeagentur der Türke-Firmengruppe über Kontakte zur Hannover Messe Worldwide und zur Deutschen Messe Istanbul verfügt. Somit konnten von Balingen aus Kampagnen für deutsche Unternehmen auf Istanbuler Messen gestaltet werden. „Uns wurde schnell klar, welches Wirtschaftspotenzial die Türkei besitzt und welch gigantische Entwicklung sie in den nächsten Jahren nehmen wird“, erklärt Frank Türke klar und baut auf die sprichwörtliche Gründlichkeit, die den Menschen seiner Region nachgesagt wird: „Auch im Türkei-Geschäft wollten wir das anbieten, was unser Kerngeschäft ausmacht, nämlich hochwertige Messestände mit schwäbischer Präzision.“   

Als erstes nahm der Aussteller Bucher Hydraulics aus Klettgau das Angebot an und ließ neben seinen deutschen auch die türkischen Messeauftritte von Atelier Türke betrauen. Weitere Aussteller folgten und legten oft die komplette Organisation inklusive Reisebuchung für ihre Türkei-Auftritte in die Hände des deutschen Spezialisten. Ein Türkei-Team aus Geschäftsleitung, Kommunikationsprofis und Projektleitern begleitet die Kunden. Um die schwäbische Gründlichkeit beim Standbau zu gewährleisten, wurden die Messestände anfangs komplett in Balingen vorgefertigt und per Spedition in die Türkei transportiert. „Inzwischen unterstützt uns ein türkisches Architekturbüro bei der Umsetzung. Außerdem pflegen wir Partnerschaft zu ortsansässigen Messebauern und PR-Fachleuten“, so der Geschäftsführer, der sich bei allen Erfolgen ein Schmunzeln nicht verweigern kann. Nämlich dann, wenn beim Zoll oder Check-in türkische Mitarbeiter den Namen Frank Türke und Frankfurt als Abflugort lesen (www.atelier-tuerke.de).  

 
 
 
 
Als erster Kunde ließ Bucher Hydraulics seine türkischen Messeauftritte von Atelier Türke betreuen. (Photo: Atelier Türke)
Als erster Kunde ließ Bucher Hydraulics seine türkischen Messeauftritte von Atelier Türke betreuen. (Photo: Atelier Türke)

Dass deutsche Messespezialisten sich international hervorragend behaupten, beweist auch der preisgekrönte Deutsche Pavillon auf der Expo 2012 in Südkorea. Kurze, aber spannende Wochen gingen der Auszeichnung mit dem „Gold Award“ für die beste inhaltliche Umsetzung des Expo-Themas „Der lebende Ozean und die Küste“ voraus. In nur drei Monaten schuf das Messebauunternehmen Holtmann aus Langenhagen bei Hannover die faszinierende Küsten- und Unterwasserwelt „Seavolution“ des Deutschen Pavillons in Yeosu. Das Konzept stammte von der Live-Kommunikationsagentur facts and fiction und dem Architekturbüro GTP Architekten. Von Mai bis August öffneten sich drei Themenbereiche – Küsten Lebensraum und Schatzkammer – auf zwei Stockwerken den 430.000 Besuchern. Virtuelle Animationen informierten über Tsunami-Frühwarnsysteme. Mit Videoinstallationen und Augmented-Reality-Technik erforschten die Besucher die Ozeane und lernten ihren Ressourcenreichtum kennen. Der Höhepunkt des Pavillons, die „Main Show“, entführte die Besucher auf den Meeresgrund zu einer Tauchfahrt zwischen schallschutzgedämmten Wänden.   

Das Tiefsee-Abenteuer im Deutschen Pavillon erstreckte sich auf 1.700 Quadratmeter. Über hundert Mitarbeiter verbauten rund 53 Tonnen Stahl und verlegten unzählige Kilometer Kabel. Teils über Kopf hängend verpassten Maler der Schatzkammer den letzten goldenen Anstrich – während einzelne Treppenstufen von der koreanischen Partnerfirma erst vor Ort zu einem begehbaren Ganzen zusammengefügt wurden. Für die Messebauexperten aus Deutschland war das eine völlig neue Erfahrung. „Die Arbeitsabläufe unterschieden sich sehr von dem, was wir gewohnt sind“, erinnert sich Claus Holtmann, Geschäftsführer des Unternehmens. „Ein Expo-Pavillon ist eben wie ein eigener Mikrokosmos: Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und Arbeitsweisen erschaffen gemeinsam eine neue, kleine Welt.“ Organisiert wurde die deutsche Expo-Beteiligung von Hamburg Messe und Congress im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums (www.holtmann.de).

 
 

Autor: Jens Kügler

Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 2/2013

 
 

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