Der Winter und das Frühjahr 2018 waren ziemlich reich an spannenden Messeauftritten. Dies zeigen vier ausgesuchte Beispiele auf unterschiedlichen Veranstaltungen.
Technik lebendig erklären und Besucher interaktiv einbinden: Nach diesem Grundsatz gestaltete der Messedienstleister bluepool aus Leinfelden-Echterdingen den Auftritt von BBC Bircher Smart Access auf der Branchen-Fachmesse R+T 2018 in Stuttgart. BBC Bircher Smart Access stellt innovative Sensoriksysteme für automatische Türen und Tore her. Als Highlight auf dem Stand inszenierten die Messedesigner eines dieser komplexen Hightech-Produkte. Es handelte sich um einen Torsensor für Industrieanlagen. Er detektiert Personen und verschiedene Fahrzeugtypen sowie deren Größe und Bewegungsrichtung. Dadurch erkennt er, wem, ob und wie weit er das Tor zu einer Industrieanlage öffnen kann. Ein besonderer Pluspunkt ist dabei die energiesparende Arbeitsweise der Technologie. Dies visualisierte bluepool anhand einer großen LED-Wand. Auf ihr sahen die Standbesucher ein Wärmebild, das auch für optische Fernwirkung sorgte. Vor dem Wärmebild positionierten die Messebauer eine stilisierte Person und diverse Fahrzeugtypen in Annäherung an ein Tor.
„Der Clou war, dass die Besucher die Szenerie interaktiv über große rote Buttons an einer Stele steuern und die Aktionen auslösen konnten“, wie Frank-Dieter Keinath erklärt. „Die Silhouetten bewegten sich auf die Einfahrt zu und der Sensor von BBC Bircher Smart Access ließ das Tor entsprechend der jeweiligen Größe hochfahren. Die Reaktion konnte man am Wärmebild erkennen, das die verloren gehende Energie darstellte“, so der bluepool-Geschäftsführer. „Dadurch erklärte sich die Funktionsweise der Technik lebendig und eindrücklich, ganz nach dem Motto des Ausstellers, Experience Smart Access.“ Neben der Stele befanden sich mehrere Touchscreens, bei denen jeweils ein Kundenberater zur Information über die Systeme bereitstand. An der Bar neben der Wand diskutierten Gäste und Standpersonal das Erlebte, während sich weitere Besucher an der Push-the-Button-Stele und den Bildschirmen einfanden (www.bluepool.de).
Dichtungen
zählen zu jenen Produkten, die ein Endkunde kaum wahrnimmt. Sie zu Helden eines
Messeauftrittes zu machen, erfordert besondere gestalterische Ideen.
EagleBurgmann ist ein internationaler führender Anbieter
industrieller Dichtungstechnik mit Sitz im bayerischen Wolfratshausen. Seit Letztes
Jahr suchte das Unternehmen einen neuen kreativen Messebauer und entschied sich
für Bruns Messe- und Ausstellungsgestaltung aus München. Ziel des neuen
Standdesigns ist es, neben dem Bezug zu Bayern auch die Bedeutung von
EagleBurgmann als Global Player auszudrücken. Premiere feierte der Auftritt auf
der Achema 2018 in Frankfurt. Im zentralen Standbereich wurde die
charakteristische runde Grundform der Dichtungen aufgegriffen: geschwungene
Wandflächen und eine ellipsoide Rotunde formten den Ausstellungsraum: Auf Acrylständern und vor weißem Hintergrund stachen die Exponate in einem
edlen Ambiente optisch heraus.
„Neu
war auch das Thema Flow, sprich fließend“, wie Bruns-Kreativdirektor Christian
Flörs erklärt. An den Wänden symbolisierten durchgängige Wellen- und
Blasen-Grafiken die Aggregatzustände der Medien, die durch die Dichtungen
fließen – von flüssig bis gasförmig. „Alles wirkte wie in Bewegung, aber auch
wie aus einem Guss“, so der Kreativdirektor über das gelungene neue
Ausstellungskonzept. Einiges erinnerte das Stammklientel aber bewusst an die
früheren EagleBurgmann-Auftritte: So blickte durch die halbtransparente
Wandfläche im Catering-Bereich ein Kuh-Motiv des vorigen Messestands nach außen
und machte viele Besucher neugierig. Parkettböden, hölzerne
Mobiliar-Bestandteile sowie einige Biergarten-Bänke in schwarzer Zebrano- und
Betonoptik luden die Besucher zum Verweilen im gemütlichen Ambiente ein.
Kreativdirektor Christian Flörs nennt den Stand „eine gelungene Symbiose von
Neuinszenierung und Wiedererkennung“ (www.bruns-messebau.de).
Ein
Inselstand: offen, attraktiv und einladend. Mit spannenden architektonischen
Details, großer Fernwirkung und hohem Informations-Potenzial. All diese
Attribute beschreiben den Standbau, mit dem der US-amerikanische
Software-Entwickler Intersystems Corp. auf der Weltleitmesse Cebit 2018 in Hannover
auftrat. Herzstück des Auftrittes: die sogenannte Sandbox, ein großer Tisch als
zentrale digitale Spielwiese. An ihm konnten sich bis zu zehn Standbesucher
gleichzeitig vernetzen. Sie dockten sich mit ihren eigenen Mobilgeräten an und
lernten interaktiv. Sie entdeckten und entwickelten Lösungen – entsprechend der
Philosophie des Ausstellers. „Was kaum jemand sah: Trotz seiner
schwebend-filigranen Optik war der Tisch ein einteiliges massives Möbelstück“,
wie Jens Gliedstein, Marketingleiter des Wiesbadener Messebauunternehmens
Isinger + Merz, erklärt. „Er wurde mit großem Aufwand in unseren Werkstätten
hergestellt. Wir mussten dabei sechs Zentner Gewicht konstruktiv abfangen.“
Fast noch erstaunlicher war die Bauzeit für das rund 180 Quadratmeter große Messeprojekt samt Stelen, Deckenhängern und Mobiliar. „Das Zeitfenster war selbst unter modernen Messebau-Maßstäben außergewöhnlich eng – eine Herausforderung auch für unsere erprobte Zeittaktung“, erinnert sich Jens Gliedstein an aufregende Tage im Frühjahr 2018. Sechs Wochen vor Aufbaubeginn hatte das InterSystems-Headquarter ein bereits komplett durchgeplantes Konzept gestoppt. Der Prozess begann wieder bei null. Aber Isinger + Merz setzte seine gesamte, eng verzahnte Organisations- und Produktionsleistung ein. „So konnten wir sofort den nötigen Workflow sicherstellen und rechtzeitig zu Messebeginn fertig werden“, fasst Jens Gliedstein den Projektverlauf zusammen. Die Marketingverantwortlichen des Kunden waren nachhaltig beeindruckt und zeigten sich mit der Qualität und Umsetzung hoch zufrieden (www.isinger-merz.de).
Alles in runden Formen, weich und ineinanderfließend – so präsentierte sich der Stand des ZZF und WZF auf der Leitmesse für die Heimtierbranche, Interzoo 2018 in Nürnberg. WZF steht für den Messeveranstalter, die Wirtschaftsgemeinschaft Zoologischer Fachbetriebe. ZFF ist der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands und fachlicher Träger der Messe. „Wir wollten mit dem Auftritt bewusst weg vom kubischen Bauhaus-Design“, erklärt Branko Tomic, Designer und Projektleiter bei Messebau Wörnlein, ebenfalls aus Nürnberg. „Es gab fast keine Winkel im Standbau. Das komplette Design wirkte lebendig, natürlich und abgerundet.“ Als Farben dominierten Grün und Weiß. Die Grafiken und Visuals zeigten Tier- und Naturmotive. Branko Tomic betreut den Kunden seit rund 20 Jahren im Auftrag von Messebau Wörnlein. Er hatte die Grafiken und Visuals in seiner eigenen Agentur bytomic entwickelt. Sie lockten die Besucher in großer Zahl an den 325 Quadratmeter großen Stand.
Hier empfingen sie eine Infotheke, Lounge-Bereiche und eine Bühne. Die Vorträge, Interviews und Live-Shows auf der Bühne wurden auf eine große LED-Wand übertragen. An der Catering-Theke genossen die Besucher heiße Kaffeespezialitäten vom Meister-Barista. Erstmals bot der Aussteller auch leckeres Eis an, das sich großer Beliebtheit erfreute. Direkter Standnachbar und ebenfalls von Branko Tomic für Wörnlein im gleichen Stil entwickelt: der rund 100 Quadratmeter große Auftritt der Fachzeitschrift Zoologischer Zentral-Anzeiger und der Messezeitung Interzoo Daily. Die Messezeitschrift wurde dort live vor den Augen der Besucher erstellt. „So sind die Besucher in die Welt der internationalen Heimtierbranche und des aktuellen Messegeschehens miteinbezogen worden“, so der Designer und Projektleiter (www.woernlein.de).
Autor: Jens Kügler
Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 3/2018
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Klassisch findet Networking bei realen Events statt. Doch es geht auch online, allerdings ein wenig anders. Veranstaltern bieten sich diverse Möglichkeiten.
Über einen erfolgreichen Auftritt entscheiden nicht nur neue Produkte und ein durchdachtes Stand-Design. Wichtig sind auch viele weitere Faktoren, die Messeplaner nicht immer im Blick haben.