Deutschland 2027: Impulse für Debatten in Europa

Zum ersten Mal in der Geschichte der Leipziger Buchmesse präsentieren sich nächstes Jahr gleich mehrere Länder als Gastland. Der Ansatz geht über die reine Literatur hinaus.

Es geht auch um die Bedeutung von Literatur aus der Perspektive eines jungen Publikums. (Photo: Leipziger Messe / Tom Schulze)
Es geht auch um die Bedeutung von Literatur aus der Perspektive eines jungen Publikums. (Photo: Leipziger Messe / Tom Schulze)

Die Leipziger Buchmesse findet 2027 vom 18. bis 21. März statt. Dabei lösen sich die Veranstalter vom klassischen „Gastlandauftritt“. Diesmal fungieren drei Länder gemeinsam als Gastland: Polen, Frankreich und Deutschland, in der politischen Sphäre auch als Weimarer Dreieck bekannt. Getragen wird der Auftritt von den drei Kulturinstituten dieser Staaten – dem Polnischen Institut, dem Institut français und dem Goethe-Institut. Gemeinsam mit dem Kurator Thorsten Dönges entwickeln diese Institutionen ein Programm, das literarische Perspektiven aus Polen, Frankreich und Deutschland zusammenführt. Zugleich soll es Impulse für aktuelle gesellschaftliche Debatten in Europa setzen und neugierig machen: neugierig aufeinander, neugierig auf Literatur und neugierig auf den Austausch von Ideen und Perspektiven, so die Verantwortlichen.

Der Auftritt des Weimarer Dreiecks auf der Leipziger Buchmesse 2027 widmet sich den Beziehungen, die diese drei Länder und Gesellschaften verbinden, zugleich aber auch weiteren Beziehungen – etwa zwischen Wissenschaft, Literatur und anderen Künsten, zwischen literarischen Genres, zwischen Geschichte und Tradition, Mensch und Natur, Technologie und Medien. Ursprünglich ist das Weimarer Dreieck ein politischer Begriff: Polen, Frankreich und Deutschland haben sich dazu bekannt, die europäische Idee gemeinsam zu stärken und weiterzuentwickeln. Seit seiner Gründung 1991 steht das Weimarer Dreieck für Dialog, Verständigung und die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft Europas.

Astrid Böhmisch: „Der Gastlandauftritt des Weimarer Dreiecks setzt ein starkes Zeichen.” (Photo: Leipziger Messe / Jens Schlüter)
Astrid Böhmisch: „Der Gastlandauftritt des Weimarer Dreiecks setzt ein starkes Zeichen.” (Photo: Leipziger Messe / Jens Schlüter)

Astrid Böhmisch, Direktorin der Leipziger Buchmesse, sagt zum neuen Ansatz: „Großartig, dass der Gastlandauftritt des Weimarer Dreiecks auf der Leipziger Buchmesse 2027 ein überraschendes und zugleich starkes Zeichen setzt.“ Die Idee, Frankreich, Polen und Deutschland gemeinsam in den Mittelpunkt zu rücken, hätte sofort überzeugt, weil sie das Gastlandkonzept zeitgemäß weiterdenkt: Nicht die Repräsentanz einer nationalen Literatur stehe im Vordergrund. Stattdessen „öffnet sich ein grenzüberschreitender Raum für Literatur, kulturelle Fragen, gesellschaftliche und politische Debatten“, wie Böhmisch betont.

Die Themen sind vielfältig: Welche Inhalte bestimmen die Diskussionen in Polen, Frankreich und Deutschland? Was waren und sind die Bedingungen für Verständigung und Versöhnung? Wie entstehen Vertrauen, aber auch Misstrauen und Missverständnisse? Welche Rolle spielen Geschichte und Geschichtsbilder für gegenwärtige Debatten? Das Programm fragt nach einer gemeinsamen Gestaltung der Zukunft und danach, wie Krisen und Ängsten besser begegnet werden kann. Zudem richtet sich der Blick auf den Einfluss neuer Technologien auf Gesellschaft, Politik und Literatur, auf die Genres, die den Buchmarkt derzeit prägen – genauso wie auf die Frage, wie sich die Bedeutung von Kunst und Literatur aus der Perspektive eines jungen Publikums verändert. Austausch, Solidarität und Zusammenarbeit seien wichtiger denn je, heben die Veranstalter hervor (www.leipziger-buchmesse.de).

Autor: Peter Borstel

Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 2/2026

 
 

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