Messebau / Design: Den Rahmen sprengen

Nicht für jede Präsentation reicht ein Stand aus. Manchmal muss es ein Gemeinschafts-Pavillon, eine eigene Halle oder die weite Natur eines Landes sein.

Peri auf der Bauma 2013: Die überdimensionierte Darstellung eines Bauarbeiters gab der Fassade "ein bewusst menschliches Gesicht". (Photo: Fey)
Peri auf der Bauma 2013: Die überdimensionierte Darstellung eines Bauarbeiters gab der Fassade "ein bewusst menschliches Gesicht". (Photo: Fey)

Auftritte in großen Dimensionen sind keine Seltenheit auf der führenden Leitmesse der Baubranche, der Bauma in München. Peri, ein deutsches Unternehmen für Schalungs- und Gerüsttechnik, macht da keine Ausnahme. Schon seit über 25 Jahren betreut der Ulmer Dienstleister Fey Messedesign die Firma auf allen Ausstellungen weltweit. Und bereits das dritte Jahr in Folge wurde sie 2013 in einer eigens konstruierten temporären Halle inszeniert. Als Stahlkonstruktion mit rund 18 Metern Höhe bot die Halle 4.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Eine überdimensionierte Darstellung eines Bauarbeiters zierte die Fassade und verlieh ihr „ein bewusst menschliches Gesicht“, wie Jürgen Fey, Geschäftsführer des Messebau-Unternehmens, betont. An den drei Hallenzugängen erhielt jeder Besucher von Hostessen in Overalls und Gummistiefeln eine Umhängetasche mit Zollstock, Kappe und Zimmermanns-Bleistift. „Als Familienunternehmen mit Tradition möchte Peri jeden Besucher persönlich in Empfang nehmen“, so Jürgen Fey.

Im Inneren der Halle konnten die Besucher „Gerüstbau live“ mit arbeitenden Menschen erleben: Als eines der Highlights wurde ein neu entwickeltes System für „kranlose“ Hochhausbauten präsentiert. „Wir haben quasi die Baustelle in die Halle verlegt“, so Jürgen Fey. Von den Eingängen aus markierten breite Teppichböden die Hallenwege, die vorbei an Info-Pylonen und Multimedia-Stelen zur Informations-Theke führten. Im Interieur dominierte eine moderne Fassade mit geschwungenen, lichtgrau lackierten Holzlamellen und ein mittelgrauer Bodenbelag. Durch die unaufdringliche Farbwahl kamen die Produkte und Info-Stelen wirkungsvoll zur Geltung. Im Unter- wie im Obergeschoss befanden sich Gastronomie-Bereiche, in denen zusammengenommen bis zu tausend Personen gleichzeitig bewirtet werden konnten. „Durch Öffnungen in der Fassade des Bewirtungstraktes boten sich beeindruckende Blicke auf die Produkt- und Arbeitswelt von Peri“, erklärt Jürgen Fey und nennt Zahlen zur Größe des Projektes: „Die Planungszeit für diesen Bauma-Auftritt betrug eineinhalb Jahre. Dafür durfte Peri über 130.000 Besucher in seiner Halle begrüßen“ (www.fey-messedesign.de).

Wie hell und fernwirksam Schwarz sein kann, zeigte das hinterleuchtete KWA-Textil-Band. (Photo: Wörnlein)
Wie hell und fernwirksam Schwarz sein kann, zeigte das hinterleuchtete KWA-Textil-Band. (Photo: Wörnlein)

Gemeinschaftsstände, Länderpavillons oder andere Aussteller-übergreifende Auftritte müssen stets einen Spagat meistern. Zum einen sollten das individuelle Corporate Design und die Produktwelt jedes Ausstellers zur Geltung kommen. Andererseits gilt es, ein gestalterisches Gesamtkonzept sowie eine räumliche Abgrenzung zu schaffen. Auf der Fachmesse IWA 2013 in Nürnberg traten drei Unternehmen gemeinsam in einem Stand namens Swiss Pavilion auf. Dort ließen grüne Ziffernblätter sowie weiße Schrift und Symbole auf tiefschwarzem Hintergrund die Besucher in die Produktwelt der Marke Traser eintauchen. Das Label bewarb seine Uhren für militärische Spezialeinheiten, die selbst bei absoluter Dunkelheit gut lesbar sind. Hinter einer Theke und einer gebogenen Wand verbarg sich eine Art Dunkelkammer. Dort wie auch in einer schwarzen Vitrine an der Standaußenseite demonstrierten die Uhren ihre Wirkung bei „Null-Sicht-Verhältnissen“. Schwarz dominierte als Corporate-Design-Farbe auch in einem anderen, separaten Bereich. Hier stellte die Firma KWA ihre Waffen für Spezialeinheiten vor und bot eine Shooting Area zum Ausprobieren mit Kunststoffgeschossen.   

Wie hell und fernwirksam Schwarz sein kann, zeigte das hinterleuchtete Textil-Band, das über dem KWA-Bereich von der Hallendecke abgehängt war. Den Kern des Swiss Pavilion aber bildete der Auftritt des Präzisionswaffen-Anbieters Kriss. Wände und Mobiliar waren überwiegend in Rot gehalten. Jedoch bildeten Elemente in hellem Weiß wie Teppichboden oder Beistelltische einen Kontrapunkt, wodurch gleichzeitig die Nationalfarben des Herkunftslandes wiedergegeben waren. Textil-Kuben mit dem Schweizerkreuz hingen zudem weithin sichtbar über dem Gemeinschaftstand, und ein umlaufendes weißes Band mit der Beschriftung „Swiss Pavilion“ überspannte das komplette Areal. „Unser Stand gab somit ein stimmiges Gesamtbild ab. Und er reflektierte den Anspruch des Hightech-Landes, dessen Produkte gerade auch in Bereichen wie Militär oder Zivilschutz hochgeschätzt sind“, so Designer und Projektleiter Branco Tomic von Messebau Wörnlein. Das Nürnberger Unternehmen hatte den Stand entwickelt und baulich umgesetzt (www.woernlein.de).

Mercedes-Pressevorstellung in Kanada: Für die Umsetzung der Gestaltungselemente wurde Bluepool engagiert. (Photo: Bluepool)
Mercedes-Pressevorstellung in Kanada: Für die Umsetzung der Gestaltungselemente wurde Bluepool engagiert. (Photo: Bluepool)

Wenn Mercedes ein neues Fahrzeug vorstellt, bleibt es nicht bei der Publikums-Premiere. Vielmehr gilt es, die wichtigsten Multiplikatoren von den Vorzügen der Luxusautomobile zu begeistern. Auf mehrtägigen Testtouren durch faszinierende Städte und Landschaften dürfen sich Presse-, TV- und Fachjournalisten ihr Urteil bilden. Zum Kennenlernen der neuen S-Klasse lud Mercedes die Pressevertreter im Sommer 2013 nach Kanada ein. Ausgangspunkt war die Weltmetropole Toronto. Im Hotel Four Seasons wurden die Journalisten in einem luxuriösen Ambiente empfangen und eingehend mit Design und Technik vertraut gemacht. Eine Ausstellung mit Sitzexponaten, Vitrinen und Medien-Installationen vermittelte das entsprechende Lifestyle-Feeling sowie Detailwissen. So wurden beispielsweise die technischen Innovationen der Fahrzeuge eindrucksvoll zur Schau gestellt.   

Am folgenden Tag fuhr der Journalisten-Tross zum Flugplatz Muskoka Airport. Hier konnten die Fahreigenschaften in Extremsituationen auf dem abgesperrten Rollfeld getestet werden. Im Hangar erwartete die Tester ein integrierter Event-Bereich mit einer Simulationsanlage des neuen Pre-Safe-Systems, einer Teststrecke für das neue Magic Body Control Feature und einem Lounge Bereich, in dem alle Neuentwicklungen interaktiv präsentiert wurden. Erst auf den Fahrten durch die eindrucksvollen Landschaften Kanadas, vorbei an Wäldern und Seen, offenbarte sich den Journalisten die Qualität der neuen S-Klasse auf der Langstrecke. In einer Villa am Muskoka Lake erwartete die Tester purer Naturgenuss in abgeschiedener Privatsphäre. Für die Umsetzung der Gestaltungselemente und der Präsentationsbauten wurde Bluepool Messen + Events aus Leinfelden-Echterdingen engagiert. „Die Anmutung von Hightech und das wellnessartige Ambiente des S-Klasse-Interieurs sollte in den Gestaltungselementen Anklang finden. Durch die harmonische Integration der gestalteten Elemente wurde das S-Klasse-Feeling intensiviert“, so Bluepool-Projektleiter Jan Seeburger (www.bluepool.de).

 
 
 
 

Weltpremiere einer leisen Scheibe

Photo: Atelier Türke
Photo: Atelier Türke

Die Weltneuheit heißt SuperSilent und ist ein Kreissägeblatt; ein Hightech-Produkt aus dem Hause AKE. Es verringert den Geräuschpegel beim Sägen um 20 dB, birgt eine deutlich geringere Verletzungsgefahr und schneidet alle Holzmaterialen ohne Nachschärfen. Auf der Branchenleitmesse Ligna 2013 in Hannover führte AKE die Weltneuheit gebührend ein – mit einem Auftritt, den die Messe- und Grafikdesigner von Atelier Türke aus Balingen gestaltet hatten. Schon von Weitem machten angestrahlte Banner mit Logo und Keyvisual auf die Neuheit aufmerksam. Am Stand fiel der Blick sofort auf ein leuchtend grünes Band, auf dem eine Tischkreissäge stand. Das Band setzte sich auf der Rückwand senkrecht fort. Dort war ein Model abgebildet, das mit dem Sägeblatt als Trophäe in der Hand wie auf einem Laufsteg posierte. Auf dem Rückwandbereich hinter einer Barvitrine stand zudem der Slogan des Unternehmens zu lesen „AKE – feel better“. Und wie viel besser sich Sägen mit dem neuen Blatt anfühlte und anhörte, erlebten die Besucher bei Vorführungen live. „Die Kunden hatten das Gefühl, sie könnten alles vergessen, was sie bisher über Sägeblätter wussten“, erinnert sich Frank Türke, Geschäftsführer bei Atelier Türke über das Produkt, das zudem einen ersten Preis für Innovationen auf der Ligna gewann. Um auch das weitere umfangreiche Sortiment ansprechend zu präsentieren, entwickelte Atelier Türke Displays mit hellen, weißen Tischplatten. Auch hier waren die Produkte für Massivholz, Türenfertigung oder Verbundwerkstoffe mit Anwendungsbeispielen zu sehen. „Es war ein Auftritt zum Hören, Fühlen, Sehen und Staunen“, resümiert Frank Türke (www.atelier-tuerke.de).  

 
 

Autor: Jens Kügler

Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 5/2013

 
 

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