Euroshop 2014: Wo Formen tanzen und Tische schweben

Auf der EuroShop präsentieren Messebau-Systemhersteller längst nicht mehr nur Neuheiten. Sie inszenieren sich als Marken und Erlebniswelten.

„Erfahrungen im (System)Raum” nennt Modul International sein Konzept auf der EuroShop 2014. (Photo: Modul)
„Erfahrungen im (System)Raum” nennt Modul International sein Konzept auf der EuroShop 2014. (Photo: Modul)

Eine Art Tanzschule unterm Hallendach? Damit rechnet sicher niemand. Selbst angesichts sprechender Wände, interaktiver Lichtinstallationen oder ähnlichem, bereits in vorherigen EuroShop-Jahren Erlebtem. Doch Aluvision lässt tatsächlich bitten – zu einem Tanz der Formen in der Messe-Architektur. „Shapes in Motion“ heißt der Slogan des knapp 200 Quadratmeter großen Inselstands in der Mitte von Halle 9. Das erst 2003 gegründete belgische Unternehmen hat sich zwar schon längst einen weltweiten Namen für immer schlankere und innovative modulare Standbau-Lösungen mit Alurahmen gemacht. Aber jetzt möchte es sprichwörtlich mehr Bewegung ins Spiel bringen, und zwar vornehmlich in die Köpfe vieler Aussteller und Designer. „Unser Ziel ist, zu zeigen, dass mit dem Aluvision-Trägersystem dynamische, zierliche und dennoch sehr stabile Strukturen gebaut werden können, die vollkommen wie ein konventioneller Standbau wirken“, erklärt Aluvision-Produktmanager Jan Dumont. „Mit dem Aluvision-Rahmen entfallen alle Grenzen der Form und Kreativität.“   

An allen Seiten ist der Stand mit Textilkuben von unterschiedlichen Volumina umgeben. Auch sie symbolisieren die Standidee durch Abbildungen von Tänzern. Im Inneren teilt sich der Stand in eine Technik- und eine Erlebniswelt ein. In der Technikwelt zeigt Aluvision unterschiedlichste Lösungen. Mit ihnen lassen sich im Handumdrehen einfache Wände oder selbst komplexe Messestände konstruieren. Hier können sich die Besucher anhand kleiner Modelle und genauer Produktdetails in die Systeme vertiefen. Im sogenannten Erlebnisteil dominiert die Architektur der Dynamik mit gebogenen Elementen. Doch getanzt wird nicht, im Gegenteil: Im gemütlichen „Cocoon“ einer Bar und eines Besprechungsraumes können sich die Besucher in aller Ruhe mit den Mitarbeitern austauschen (www.aluvision.com).  

Syma zeigt den Besuchern der EuroShop 2014 eindrucksvolle, individuelle Optik mit System. (Photo: Syma)
Syma zeigt den Besuchern der EuroShop 2014 eindrucksvolle, individuelle Optik mit System. (Photo: Syma)

Zwei Tunnel in Blau und Weiß laden die Besucher ein, die duale Welt von Syma auf dem Stand in Halle 9 kennenzulernen. Beide Tunnel sind je sechs Meter hoch, 13 Meter lang und zwei Meter breit. Der blaue symbolisiert die Systemtechnik, der weiße den weltweiten Messeservice des globalen Unternehmens mit Hauptsitz in der Schweiz. Zwei Röhren durchdringen und verbinden die Tunnel: eine befindet sich im Erdgeschoss, die andere bildet das Obergeschoss. Die ebenerdige Röhre dient mit einer sechs Meter langen Bar als Kontaktzone. In der oberen Röhre befindet sich die Besprechungszone mit Lounge und Küche. Während der fünf Messetage dient der Messestand als temporärer Firmensitz: Neben Fachbesuchern werden Partner und Distributoren aus über 50 Ländern erwartet. Der Standbau repräsentiert aber nicht nur die Dienstleistungen und Designer-Kreativität von Syma. Vielmehr stellt er die Systeminnovationen dar: Im Wesentlichen besteht er aus einer Kombination des Stützen- und Trägersystems Syma-Cubic mit dem multifunktionalen Wandsystem Syma-Xwall. 

Syma-Cubic feiert dabei seine Premiere vor internationalem Publikum als Mehrgeschoss-Konstruktionslösung. Trotz filigraner Stützen von 90 mal 90 Millimetern lässt Syma-Cubic-Geschossbauten mit einer Nutzlast von 500 Kilogramm pro Quadratmeter zu. „Das geringe Gewicht und eine genial einfache Verbindungstechnik erlauben dabei die Montage ohne jede Hilfsmittel“, erläutert Syma-Marketingleiter Beat Müller die Besonderheiten. „Kein einziges Element wiegt mehr als 45 Kilogramm.“ Neu ist auch die Treppe, über die die Besucher nach oben gelangen. Sie benötigt keine Abstützung und lässt sich beliebig mit Belägen ausstatten. Die Verkleidung schließlich besteht aus dem beliebig kombinierbaren Fertigrahmen-System Syma-Xwall. Bestückt mit Wandtapeten, Glas und unterschiedlichsten Paneelen, geben sie einen Eindruck von den vielfältigen baulichen Möglichkeiten. „Syma zeigt Messebesuchern auf eindrückliche Weise individuelle Optik mit System“, wie Beat Müller betont (www.syma.com).

Architektur mit System ist mehr als nur die Summe ihrer Bauelemente. Der EuroShop-Stand von Modul International stellt einen Entwurf von fast sinnlicher Leichtigkeit dar. „Die Vorteilsargumente von Systembaukästen sind seit langem ausdiskutiert und unwiderlegbar. Wir inszenieren das Thema Messebau, also das Endprodukt, in nie dagewesener, atmosphärischer Leichtigkeit“, verspricht Markus Giehl, Geschäftsführer des Systemherstellers aus Neuss. In der Tat lassen die Projektskizzen und Renderings einen ungewöhnlich luftigen Standbau erwarten. Filigrane Profile definieren nach außen wie Säulen einen Raum, der zu allen Seiten hin offen ist. Scheinbar schwebende, an schlanken Seilen von der Dachkonstruktion abhängende Tische unterstreichen die Designidee. Bauteile, Anwendungen, Systemlösungen und Medien – all das wird auf verblüffende Weise präsentiert werden. Interaktive Wandscheiben und Tische vermitteln das Produkt- und Service-Spektrum des Unternehmens. Hier können sich die Besucher auch auf multimediale Weise mit ihren Fragen zum Thema Standdesign und Machbarkeit auseinandersetzen.   

Diese Informationsbereiche sind gleichzeitig Eyecatcher und Anknüpfungspunkte für Gespräche. Detaillösungen des Systems werden durch offen präsentierte Struktur-Elemente erkennbar – doch bewusst erst auf den zweiten Blick. Der Fokus liegt auf der Szenografie, der Inszenierung im Raum. Architektonische und mediale Sinnesreize sollen miteinander verschmelzen. „Erfahrungen im (System)Raum nennen wir unser Konzept“, erklärt Markus Giehl. Es präsentiert Modul nicht als Produktanbieter, sondern als Partner für zukunftsorientierte Entwicklungslösungen im Bereich temporärer Architektur. „Für Projekte von der ersten Idee bis hin zur fertigen Ausstellung“, sagt Giehl und resümiert: „Bei uns greifen technische Zusammenhänge ineinander mit Visionen und lassen Ideen entstehen.“ Der Stand feiert auf der EuroShop Premiere, dürfte aber auch auf weiteren Veranstaltungen Beachtung finden (www.modul-int.com).

 
 
 
 

Treffpunkt Guckloch: Holtmann auf der EuroShop

Photo: Holtmann / raumHoch
Photo: Holtmann / raumHoch

Der Messebauspezialist aus Langenhagen plant auf der EuroShop 2014 erneut einen pfiffigen Auftritt. In Anlehnung an den mehrfach ausgezeichneten Stand auf der letzten Messeausgabe, 2011, präsentiert Holtmann seine Expertise erneut als Kubusinterpretation. Der Auftritt möchte die Messebesucher mit einem verblüffenden Raumerlebnis überraschen. Dabei bietet e in Guckloch zunächst einen rein optischen Zugang. Es eröffnet den Betrachtern besondere Einblicke, die sich Ihnen nur aus dieser Perspektive erschließen. Fachleute verwenden dafür gerne den Begriff „Anamorphose“. Während Künstler der Renaissance anamorphe Darstellungen nutzten, um verschlüsselte Botschaften in ihren Werken zu verstecken, erreicht Holtmann damit das Gegenteil: Die ungewöhnliche Darstellung der Referenzprojekte weckt erst recht die Neugier der Besucher. Betreten sie das Innere des Kubus, verschwimmen diese ersten Eindrücke und es wird sichtbar, wer hinter den Projekten steckt. Gemäß dem Unternehmensmotto „We understand and we do“ zeigt Holtmann neben weiteren Referenzen auch die Menschen. Schließlich bilden sie das Unternehmen, verstehen die Anforderungen der Kunden und setzen sie in die Praxis um. „Der Stand, dessen Konzept erneut in Zusammenarbeit mit der Agentur raumHoch entstanden ist, verkörpert damit unsere besondere Stärke“ so Holtmann (www.holtmann.de).

 
 

Autor: Jens Kügler

Dieser Artikel ist erschienen in TFI Heft 1/2014

 
 

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