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New bauhaus lockt mehr als 600 Delegierte nach Weimar

10.09.2026

Über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen am 2. und 3. September 2026 zur zweiten Auflage von New bauhaus im congress centrum weimarhalle zusammen.

Mehr als 90 Sprecherinnen und Sprecher diskutierten in rund 60 Programmpunkten auf drei Bühnen über die Transformation des Bauens. Im Mittelpunkt standen technische Innovationen ebenso wie die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen sie sich durchsetzen müssen. Schirmherrin des Festivals war auch in diesem Jahr Bundesbauministerin Verena Hubertz. Staatssekretär Olaf Joachim aus dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen eröffnete die Veranstaltung.

„In Weimar haben Akteurinnen und Akteure miteinander diskutiert, die an sehr unterschiedlichen Stellen über die Zukunft des Bauens entscheiden“, sagt Michael Kynast, Geschäftsführer der Messe Erfurt, im Auftrag der Thüringer Landesregierung Veranstalter des Innovationsfestivals New bauhaus. „Bundes- und Landespolitik, Verbände, Kammern, Forschung, Wohnungswirtschaft, Kunst und Kreativwirtschaft haben ihre Perspektiven eingebracht. Studierende und Young Professionals waren über das Next-Generation- Programm beteiligt. Diesen Austausch wollen wir fortsetzen und ausbauen.“

Kontroverse statt glattgezogenem Abschlusspapier

Den programmatischen Schlusspunkt setzte die Diskussion des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, der Bundesarchitektenkammer, des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen und des GdW Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen.

„Branchentreffen enden häufig mit Positionspapieren, in denen unterschiedliche Interessen so lange geglättet werden, bis nur noch der kleinste gemeinsame Nenner übrigbleibt“, so Festivaldirektor Michael Rücker. New bauhaus wählte einen anderen Weg: Die vier Verbände haben ihre Differenzen nicht hinter gemeinsam getragenen Formulierungen versteckt, sondern offen benannt und miteinander, auch kontrovers, diskutiert.

Dabei ging es um zentrale Konfliktlinien der Branche: Wie weit lassen sich Standards reduzieren, ohne Qualität und Baukultur preiszugeben? Wie können Planungs- und Genehmigungsverfahren schneller werden, ohne neue Schnittstellen und Haftungsrisiken zu schaffen? Wer trägt die Verantwortung dafür, dass technische Innovationen tatsächlich zu niedrigeren Baukosten führen? Und wie lassen sich Bezahlbarkeit, Klimaschutz, Gestaltungsqualität und wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander verbinden? Das Abschlusspanel mündete deshalb bewusst nicht in einem Konsenspapier. An seine Stelle trat ein Arbeitsauftrag: Die offenen Fragen sollen die Debatte über die Veranstaltung hinaus strukturieren und in die Verständigung zwischen den Institutionen weiter vorantreiben.

„Die Krux mit dem Neuen ist, dass es noch nicht da ist. Es entsteht aus Widersprüchen“, so Michael Rücker. „Deshalb haben wir bewusst kein Panel gebaut, das in einem gemeinsamen Papier endet. Vier Verbände haben ihre Positionen beschrieben – und dort, wo sie nicht einer Meinung sind, haben sie es gesagt. Was sich nicht auflösen ließ, ist als offene Frage mitgegangen. Das ist das Signal aus Weimar: kein Papier, sondern Weiterdenken.“

Fünf Thesen zur Zukunft des Bauens

Eine der pointiertesten Positionen formulierte Andreas Böhm, Chairman der B&O Gruppe, mit fünf Thesen zur Zukunft des Bauens. Er verband die Debatte über Produktivität, Automatisierung und serielles Bauen mit dem demografischen und wirtschaftlichen Wandel von Städten und Regionen. „Wir bauen am Bedarf vorbei“, so Andreas Böhm. „Jahr für Jahr fließen Milliarden in Regionen, die schrumpfen – während in die Städte, in die alle wollen, niemand hineinkommt. Automatisierung und KI entwerten nicht nur einzelne Handgriffe, sondern verändern ganze Standorte. Wir reden über Disruption im Bauen, haben aber gleichzeitig eine Disruption in der Regionalentwicklung. Was nützt die billigste Serie auf dem falschen Grundstück?“

Damit rückte eine Frage in den Mittelpunkt, die in der Debatte über Baukosten und Produktivität häufig zu kurz kommt: Nicht jede technisch überzeugende Lösung entsteht automatisch am richtigen Ort. Wer über die Zukunft des Bauens spricht, muss deshalb zugleich über Arbeitsplätze, Infrastruktur, demografische Veränderungen und die Entwicklung ganzer Regionen sprechen.

Am Abend des ersten Tages diskutierte Mario Voigt, Ministerpräsident des Freistaats Thüringen, mit dem Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber und Timo Heil, CEO von Kuka Systems, über die gesellschaftlichen Voraussetzungen der Transformation. „Thüringen hat sich in Weimar nicht zufällig als Gastgeber angeboten“, sagte Mario Voigt. „Wo das Bauhaus vor gut hundert Jahren begonnen hat, muss die Frage nach dem Neuen auch heute gestellt werden dürfen. Transformation gelingt nicht gegen die Menschen und nicht gegen die Regionen. Sie gelingt, wenn Industrie, Forschung und Baukultur an einem Ort zusammenkommen.“


 
 

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